Veranstaltungsreihe „Im Gespräch mit…“
Veranstaltungsreihe „Im Gespräch mit…“

Die zweite Veranstaltung der Reihe „Im Gespräch mit…“ behandelte das Thema: Wirtschaft in Hannovers Innenstadt. Es ging darum, wie sich die Wirtschaft in Hannovers Innenstadt entwickelt und wie eine Innenstadt gelingt, die wirtschaftlich erfolgreich und zugleich lebenswert ist. Darüber sprachen wir am 7. Mai mit Martin Prenzler und Hans Nolte. 

Ihr Fazit: Hannover ist viel besser als sein Ruf und auch der Wirtschaft in der City geht es besser als oft gedacht. Für die Zukunft braucht es echte Kümmerer für Wirtschaftsförderung, mehr Wir-Gefühl, eine bessere Kommunikation und Abstimmung untereinander sowie weniger Ressortdenken, um sich aktiv und erfolgreich den aktuellen Herausforderungen zu stellen.  

Themenabend zu Wirtschaft in Hannovers Innenstadt: mit Referenten Martin Prenzler (l.) und Hans Nolte, begrüßt von Bente Jessen-Thiesen und Stefanie Pizzella.
Themenabend zu Wirtschaft in Hannovers Innenstadt: mit Referenten Martin Prenzler (l.) und Hans Nolte, begrüßt von Bente Jessen-Thiesen und Stefanie Pizzella.

Im Mai waren gleich zwei Experten für die Wirtschaft in der Innenstadt bei uns zu Gast: 

In einer kurzen Einleitung stellte Bente Jessen-Thiesen einige Zahlen und Fakten zur Entwicklung von Innenstädten insgesamt vor und zu den Herausforderungen, vor denen alle Städte u. a. durch den zunehmenden Onlinehandel, aber auch veränderten Erwartungen der Kund:innen stehen. Laut einer Studie sind folgende Geschäfte besonders gefährdet: kleine Geschäfte, spezialisierte Geschäfte und solche in kleinen Städten. 

Sie nannte vier Leitfragen für die folgenden Ausführungen der Experten: 

  • Wie geht es Unternehmen im Zentrum aktuell und was brauchen sie, um sich gut zu entwickeln?
  • Hat sich die gewerbliche Nutzung in den letzten Jahren insgesamt verändert?
  • Wie sollten wir freie Flächen und Leerstände in der Innenstadt sinnvoll nutzen?
  • Was braucht es für eine Innenstadt, die wirtschaftlich und lebenswert ist für alle, die dort einkaufen, arbeiten und leben?

In einem kurzen Impuls stellte Martin Prenzler die City-Gemeinschaft Hannover kurz vor und berichtete aus der Perspektive der Gewerbetreibenden über die wirtschaftliche Lage in Hannovers Innenstadt. 

  • Die City-Gemeinschaft bündele über 562 Stimmen aus Handel, Wirtschaft und Gastronomie vor allem von innerhalb des City-Rings. Sie vertrete die Interessen ihrer Mitglieder und setze sich für den Erhalt und den Erfolg der Innenstadt ein. Sie ist auch Gründungsmitglied der Hannover Marketing und Tourismus Gesellschaft HMTG. Es gibt eine Geschäftsstelle sowie eine 12-köpfigen ehrenamtlichen Vorstand.
  • In der Wirtschaftsförderung war er bisher sehr zufrieden: Hannover sei eine Stadt der schnellen Kommunikation und der schnellen Wege. Auch die drei SOS seien erfüllt: Sicherheit, Ordnung, Sauberkeit. Im Vergleich sei Hannover eine der saubersten Städte der Welt.
  • Als Messestadt hat Hannover in der Vergangenheit viel Gastfreundschaft bewiesen, und auch die sprachlichen Kompetenzen gegenüber internationalen Gästen seien auf einem guten Niveau.
Für mich ist Hannover die beste Stadt der Welt.
  • „Extern werden wir besser wahrgenommen als das in der hiesigen Presse dargestellt wird.“ Sein Eindruck sei, dass die Medien gerne auf dem Negativen herumreiten und dabei auch übertreiben. „Es gibt keinen Kampf im bzw. um den öffentlichen Raum.“ Letztendlich müsse man akzeptieren, dass es unterschiedliche Nutzergruppen gebe. Und alle hätten das Recht, die Stadt zu nutzen, denn sie gehört uns allen.
  • Zum Thema Leerstände verwies er darauf, dass diese nicht der Stadtgesellschaft gehörten. Dies sei Privateigentum und liege damit in der Verantwortung der Eigentümer.
  • Die wirtschaftliche Entwicklung sieht er weniger kritisch als oft behauptet: Die Besucher-Frequenzen liegen seit 10 Jahren auf demselben Niveau. Die Umsätze leider nicht, dies liege aber eher an globalen Krisen und deren negativen Auswirkungen auf die Geldbeutel der Verbraucher:innen.
Marktplätze wird es immer geben. Wir sollten das miteinander angehen.
  • Dass es wieder mehr Gastronomie gebe, sieht er ebenfalls nicht negativ: „Im Gegenteil, in den letzten Jahrzehnten hat der Einzelhandel die Gastronomie verdrängt.“ In den 70er Jahren hatte die Gastronomie in der Innenstadt einen Anteil von rund 40 %, heute nur noch 21 %.
  • Insgesamt sein Fazit: Jetzt sei kein Hinterhertrauern gefragt, sondern alle sollten sich aktiv den neuen Herausforderungen stellen. „Wir sollten das miteinander angehen und klären.“

Im Anschluss stellte Hans Nolte als Experte für Standortmarketing vor, was die Stadt, die Wirtschaft, die Politik und die gesamte Stadtgesellschaft tun könnten, um die Innenstadt langfristig attraktiver für Bürger:innen sowie Handel und Geschäfte zu machen.  

  • Er bekräftigte: Hannover ist besser als sein Ruf. In den letzten Jahren gab es Rekorde an Tourismus und Tagestourismus.
  • Der Leerstand zum Beispiel in der Niki-de-Saint-Phalle-Promenade ist viel geringer als wahrgenommen: Er beträgt nur rund 6 %. Viele Geschäfte sind allerdings vermietet und werden nicht bewirtschaftet. So entsteht der Eindruck, sie stünden leer.
  • Die lokale Wirtschaft stehe heute auch im Wettbewerb mit globalen Gegenspielern. Dies nehme sie oft als unfairen Wettbewerb wahr. 
Wir brauchen mehr Macher und Kümmerer für die Wirtschaftsförderung der Stadt. 
  • Verkaufsoffene Sonntage seien kostenspielig (5-stelliger Betrag pro Termin), aber auch enorm wichtig für die Attraktivität der Stadt. Wichtig sei hier, mehr miteinander zu arbeiten und sich abzustimmen, u. a. für ein zwischen den Stadtteilen abgestimmtes System der Sonntagsöffnungen.
  • Insgesamt lautet sein Fazit und sein Appell: In der Wirtschaftsförderung ist es notwendig, mit mehr Kommunikation, einem starken Wir-Gefühl, besserer Abstimmung und mehr Mut zum Machen den globalen Gegnern selbstbewusst zu begegen. „Wir brauchen wieder mehr Macher und Kümmerer.“ 

Im Anschluss entspann sich eine intensive Diskussion mit vielen Nachfragen und Argumenten: 

  • Hannover habe im Verhältnis noch immer eine recht hohe Zahl an inhabergeführten Geschäften: rund 17 % im Vergleich zu rund 6 % in Berlin oder Hamburg.
  • Einige Teilnehmende kritisierten, dass zum Einen große zentrale Leerstände wie Kaufhof oder Ihmezentrum nicht mehr nur reine Privatsache seien, da sie große Auswirkungen auf die gesamte Stadtgesellschaft und die Attraktivität der Stadt hätten. Und natürlich gelte zum Anderen auch für große Globale Player, dass das Kapital auch immer eine gesellschaftliche Mitverantwortung habe.
Jede moderne Stadt hat ihr Ihmezentrum. 
  • Ziel von Wirtschaftsförderung müsse es sein, Mehrwert für alle zu schaffen. Der Stadtverwaltung fehle manchmal der Mut für schnelle Entscheidungen. Wichtig seien beiden Referenten eine bessere Abstimmung, weniger Ressortdenken, verkürzte Entscheidungswege und mehr Mut und Zuversicht für gemeinsame Aktionen. Davon profitieren alle.  
Der OV bedankt sich bei den Referenten: Hans Nolte, Dr. Bala S. Ramani, Bente Jessen-Thiesen, Martin Prenzler, Stefanie Pizzella (v.l.n.r.)
Der OV bedankt sich bei den Referenten: Hans Nolte, Dr. Bala S. Ramani, Bente Jessen-Thiesen, Martin Prenzler, Stefanie Pizzella (v.l.n.r.)

Am Schluss dankte der Ortsvereinsvorsitzende Dr. Bala S. Ramani den Referenten des Abends, Hans Nolte und Martin Prenzler, herzlich für ihren lebhaften und kompetenten Input. Man merke, dass sie für das Thema Wirtschaftsförderung brennen. Ein ganz großes Dankeschön gehe auch an die beiden Initiatorinnen der Reihe, Stefanie Pizzella und Bente Jessen-Thiesen sowie die Diakonie und Friedhelm Feldkamp für das Bereitstellen des Raums.

Danach war Gelegenheit und Zeit, informell zusammenzukommen und sich auszutauschen. Dies Angebot nahmen die Teilnehmenden gerne an und diskutierten und sprachen noch lange weiter.

Wir danken allen Teilnehmenden für ihr Kommen, ihr Interesse und den engagierten Austausch und dem gesamten Team der AG Themenabend für die Ideen, Umsetzung und Unterstützung.

⇒ Im nächsten Monat steht das Thema „Älter werden in der Mitte Hannovers“ auf dem Plan. 
Referentin wird sein: Silke Oppenhausen, Leiterin der Seniorenarbeit der Arbeiterwohlfahrt Region Hannover e. V.

  • am Donnerstag, den 4. Juni 2026
  • von 19.30 bis 20.30 Uhr
  • im Großen Saal des Walter-Lampe-Hauses 
    der Diakonie in der Burgstraße 8-10.
  • Über das Walter-Lampe-Haus

Über die Veranstaltungsreihe Im Gespräch mit…“ 

Veranstaltungsreihe „Im Gespräch mit…“
Veranstaltungsreihe „Im Gespräch mit…“

Politik lebt vom Nachdenken und Diskutieren. Über Fakten und Realitäten, über Perspektiven und Positionen sowie über die Themen, die im Alltag manchmal zu kurz kommen. Dafür möchten wir uns Zeit nehmen und ins Gespräch kommen! Jeden ersten Donnerstag-Abend im Monat im Haus der Diakonie. 

Weitere Infos und alle Termine

WIR MACHEN SOZIALE POLITIK FÜR DICH UND MIT DIR.