„Im Gespräch mit…“ Gwendolin von der Osten: Sicherheit in Hannover-Mitte: Viel erreicht, jetzt den Weg weitergehen
„Im Gespräch mit…“
Über 20 Gäste fanden den Weg zur ersten Veranstaltung der Reihe „Im Gespräch mit …“ Wie unsicher ist es in Hannover-Mitte und der Calenberger Neustadt? Darüber haben wir am 2. April mit Gwendolin von der Osten gesprochen. Ihr Fazit: Die Lage hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich verbessert; dies sei leider im Bewußtsein der Bürger:innen und der Medien noch nicht ganz angekommen.
Ortsvereinsvorsitzender Dr. Bala S. Ramani begrüßte die Anwesenden herzlich und stellte die neue Veranstaltungsreihe „Im Gespräch mit …“ vor. Ziel dieser sei es, zu Themen, die gerade brennen, Expertinnen und Experten mit Bürger:innen auch von außerhalb der SPD zusammen und ins Gespräch zu bringen. Er dankte herzlich den beiden Initiatorinnen der Reihe, Stefanie Pizzella und Bente Jessen-Thiesen. Ein ganz großes Dankeschön gehe auch an die Diakonie und Friedhelm Feldkamp für das Bereitstellen des Raums.
Im April war zu Gast Gwendolin von der Osten, seit dem 1. April 2023 Präsidentin der Polizeidirektion Hannover. Die Volljuristin ist seit 2003 bei der niedersächsischen Polizei und war in vielen verschiedenen Führungspositionen tätig, u.a. im Kriminal- und Ermittlungsdienst der Polizeiinspektion Hannover-Mitte sowie als Leiterin des Polizeikommissariats Lahe.
In einem kurzen Impuls stellte sie die Polizei Hannover vor und berichtete aus der Perspektive der Polizei Hannover, wie die Sicherheits- und Kriminalitätslage in Hannover Mitte und der Calenberger Neustadt einzuschätzen ist.
- Die Polizeidirektion Hannover ist für alle Stadtteile der Landeshauptstadt Hannover und für die Region Hannover zuständig.
- Erfreulich aus ihrer Sicht: Der Frauenanteil bei der Polizei Hannover liege bei sehr guten 42 Prozent.
- Einige Zahlen und Fakten aus der Kriminalitätsstatistik und wie diese sich im Laufe der Jahre entwickelt haben: Während Corona ging die Zahl der Straftaten insgesamt stark zurück (bis auf häusliche Gewalt). Danach kam es zu „Nachholeffekten“ und bis 2023 gab es wieder mehr Straftaten. Die Zahlen sind seitdem bei allen Kriminalitätsarten wieder rückläufig und auf ein Niveau wie vor Corona gesunken. Von den reinen Zahlen her sei es heute genau so sicher wie vor 20 oder 30 Jahren.
- Das Thema Sicherheit habe aber noch einen anderen Aspekt: Die empfundene Sicherheit der Bürgerinnen und Bürger. Hier zeigen Umfragen und Studien eine Diskrepanz zwischen der Lage und dem Empfinden der Bürger:innen. Vor allem in der Innenstadt fühlen sich viele nicht mehr wohl, in ihren eigenen Stadtteilen oder Wohnorten dagegen schon.
- Zu beachten außerdem: Oft gehören Täter und Opfer demselben Milieu an. Dies gilt insbesondere bei Raub- und Gewaltdelikten. Außenstehende sind selten betroffen.
Wir tun uns als Gesellschaft keinen Gefallen damit, uns ständig nur darüber zu empören, dass alles gefährlicher und schlechter geworden ist.
- Bei einigen Kriminalitätsarten gebe es ein Problem in der Innenstadt: Gewaltkriminalität, Raubdelikte und Drogenkriminalität. Hier zentrieren sich, nicht untypisch für eine Großstadt, Armut, Obdachlosigkeit und Drogenabhängigkeit, und damit einige Ursachen für kriminelles Verhalten.
- Außerdem wohnen in Mitte wenige Menschen, aber viele kommen dorthin zum Einkaufen, für Veranstaltungen oder auf Reisen. Dies verzerre die Statistik der Straftaten pro Einwohner.
Gewaltkriminalität ist in der großen Mehrheit jung und männlich – und das betrifft sowohl die Täter als auch die Opfer.
Mit vielen Maßnahmen hat die Polizei darauf reagiert und arbeitet weiter daran, auch mit Partnern, dies weiter zu verbessern. Zu den Maßnahmen, die sich als erfolgreich erwiesen haben, gehören folgende:
- RICH: spezielle Ermittlungsgruppe für Raubdelikte, die vor allen in der Innenstadt aktiv ermittelt.
- PRIN: Projekt für mehr Präsenz von Polizei und anderen Sicherheitskräften in der Innenstadt
- Einrichtung der Waffenverbotszone
- Projekt „bahnhof.sicher“: Polizei, Bundespolizei und Sicherheitskräfte von Bahn und ÖPNV-Trägern arbeiten zusammen
- Schwerpunkteinsätze zu stark vertretenden Deliktarten und
- Aussprechen von Aufenthaltsverboten.
Von der Osten betonte hier, dass sich einigen kriminalitätsbezogenen Problemen nicht nur mit polizeilichen Maßnahmen begegnen ließe. Gerade bei durch Obdachlosigkeit, Armut und Drogenabhängigkeit verursachter Kriminalität seien dann auch andere Stellen und Maßnahmen gefragt, wie Sozialarbeit. Die Polizei arbeite hier gut mit verschiedenen Ansprechpartnern zusammen.
Insgesamt, von Gwendolin von der Ostens Fazit, sei es heute nicht unsicherer ist als vor 30 oder 40 Jahren. Das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger:innen werde stark über die mediale Berichterstattung beeinflusst. Medien berichten häufiger über negative Entwicklungen als über positive. Insofern ist die positive Entwicklung in den letzten Jahren, der Rückgang bei vielen Deliktarten, noch nicht ausreichend im Bewusstsein der Bürgerinnen und Bürger angekommen.
Im Anschluss entspann sich eine intensive Diskussion mit vielen Nachfragen und Argumenten:
- Brennpunkt Hauptbahnhof: Viele Frauen fühlen sich hier vor allem nachts sehr unsicher. Das Gefühl der Unsicherheit könne sie nachvollziehen, so von der Osten. Die Statistik zeige hier keine Ballung von Delikten gegen Frauen. Aber die Polizei arbeite mit Stadt und Bahn weiterhin daran, die Situation zu verbessern, z. B. mit besserer Beleuchtung und einer optimierten Wegeführung.
- Probleme mit Drogenabhängigen in der Kurt-Schumacher-Straße/Herschelstraße: Bei fast jeder Polizeistation gebe es eine Beschwerdestelle, die sich vor Ort um lokale Probleme mit Sicherheit und Kriminalität kümmere.
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Vertrauensverlust in die Polizei, vor allem angesichts Berichten über rechtsextreme Äußerungen in polizeiinternen Chatgruppen.
Von der Osten: Ganz klar: Das ist nicht in Ordnung und wir gehen konsequent dagegen vor. Gleichzeitig hätte die Polizei speziell ausgebildete und sensibilisierte Stellen eingerichtet, die als Ansprechpartnerfür besonders diskriminierte Gruppen und Personen oder für besonders sensible Themen da seien.
Wir sind für alle Bürgerinnen und Bürger da. Auch für die, die uns nicht mögen.
Abschließend appellierte Gwendolin von der Osten, das Gespräch mit der Polizei zu suchen. „Wir sind für alle Bürgerinnen und Bürger da, wenn es um Prävention, Ermittlung oder Bekämpfung von Kriminalität geht. Auch für die, die uns nicht mögen.“
Danach war Gelegenheit und Zeit, informell zusammenzukommen und sich auszutauschen. Dies Angebot nahmen die Teilnehmenden gerne an und diskutierten und sprachen noch lange weiter.
Wir danken allen Teilnehmenden für ihr Kommen, ihr Interesse und den engagierten Austausch und dem gesamten Team der AG Themenabend für die Ideen, Umsetzung und Unterstützung.
=> Im nächsten Monat steht das Thema (un)wirtschaftliche Innenstadt auf dem Plan:
- am Donnerstag, den 7. Mai 2026
- von 19.30 bis 20.30 Uhr
-
im Großen Saal des Walter-Lampe-Hauses
der Diakonie in der Burgstraße 8-10. - Über das Walter-Lampe-Haus
Über die Veranstaltungsreihe „Im Gespräch mit…“
„Im Gespräch mit…“
Politik lebt vom Nachdenken und Diskutieren. Über Fakten und Realitäten, über Perspektiven und Positionen sowie über die Themen, die im Alltag manchmal zu kurz kommen. Dafür möchten wir uns Zeit nehmen und ins Gespräch kommen! Jeden ersten Donnerstag-Abend im Monat im Haus der Diakonie.